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Unspezifische humane Immunglobuline: Allgemeines
Rubrik: Drugs
Immunglobuline (Ig), auch Gammaglobuline oder Antikörper genannt, sind Proteine, welche von Lymphozyten sezerniert werden. Sie können spezifisch an diejenigen Antigene binden, welche die Ig-Synthese ausgelöst haben. Dadurch werden die Antigene neutralisiert und zerstört. Man unterscheidet fünf Klassen nach Struktur und Funktion: IgG (7.2-16g/L Serum), IgA (0.7-3.8g/L), IgM (0.6-2.8g/L), IgD (0.05-0.4g/L) und IgE (< 0.38mg/L).

Ausgangsmaterial zur Herstellung von Spezialitäten mit polyvalenten humanen Immunglobulinen sind Plasma-Pools von tausenden gesunden Spendern. Dies ergibt eine grosse Anzahl Antikörper gegen verschiedenste Antigene. Sie bestehen hauptsächlich aus IgG (mindestens 95% der gesamten Ig), unterteilt in vier Subtypen, Spuren von IgA und gelegentlich auch IgM. Das Vorhandensein von IgA bedeutet ein Risiko für anaphylaktische Reaktionen. Gefährdet sind seltene Erkrankte, welche keine IgA haben, jedoch Träger von anti-IgA sind. Deshalb wird jeweils der maximale Gehalt an IgA deklariert.

Die Spezialitäten unterscheiden sich insbesondere im Gehalt an IgA und in den Hilfsstoffen (Zuckerart, Natriumkonzentration). Aus diesem Grund könnten bei gewissen Patienten nach einem Präparatewechsel Nebenwirkungen auftreten. Die Applikation erfolgt intra- (ATC J06BA02 ) oder extravaskulär (ATC J06BA01 ). Spezialitäten mit einem Gehalt von 5 oder 10% werden intravenös, solche über 16% subkutan oder in Ausnahmefällen auch intramuskulär (ausser Vivaglobin®) appliziert. Die Ig zur subkutanen Anwendung werden mit Hilfe eines Pumpsystems verabreicht und haben den Vorteil, dass sie auch zu Hause vom Patienten selbständig appliziert werden können.

Polyvalente Ig werden in unterschiedlichen Dosierungen zur Substitution bei Immundefiziten eingesetzt und beugen bakteriellen oder viralen Infektionskrankheiten vor. Bei gewissen Krankheiten werden sie auch als Immunmodulatoren eingesetzt (idiopathische thrombozytopenische Purpura, Kawasaki- und Gullain-Barré-Syndrom etc.). Für zahlreiche Indikationen, welche mehr oder weniger gut dokumentiert sind, werden sie auch im off-label-use verwendet.

Die polyvalenten Ig werden im Kühlschrank zwischen 2 und 8°C gelagert (ausser Hizentra®, Intratect® und Privigen®). In den meisten Fällen ist die Haltbarkeit ausserhalb des Kühlschranks ohne Qualitätseinbusse in den entsprechenden Fachinformationen angegeben.

Quellen:
_Revue Médicale Suisse 5/2009/p819
_The Medical Letter 1-2/2007/p5
_La revue Prescrire 287/2007/p662
_
Examens de laboratoire, Maloine 2e Edition 2010
_A. Vollmar, T. Dingermann, Immunologie, Verlag WVG 2005

REF: 02.07.2012 09:32:26 / UACDE,UAMST / 4632
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