| Allgemein bringen Muttermilch und Stillen im Vergleich zu einer Ernährung mit Säuglingsmilch deutliche Vorteile in Bezug auf Gesundheit, Wachstum und Entwicklung der Kinder. Die Gesundheit und das psychische Gleichgewicht der Mutter werden ebenfalls positiv beeinflusst.
In Entwicklungsländern ist Stillen in 30 bis 50% der Fälle die Ursache für HIV-Infektionen bei Neugeborenen. Laut einer Metaanalyse beträgt die Ansteckungsrate durch das Stillen nach dem ersten Lebensmonat ca. 0.9% pro Monat. In den ersten Wochen nach der Geburt ist das Risiko noch höher. Trotz des Übertragungsrisikos für HIV hat das Stillen unter diesen Bedingungen klare Vorteile und kann lebensrettend sein.
In den industrialisierten Ländern wie der Schweiz ist die Situation anders. Die vertikale Übertragungsrate liegt unter 2%. Eine Ansteckung über das Stillen ist in jedem Fall inakzeptabel. Durch das Stillen wird der Säugling zudem einige Monate länger den antiretroviralen Substanzen ausgesetzt. Angesichts der erwiesenen, möglichen Nebenwirkungen ist dies nicht erwünscht. Die antiretroviralen Substanzen gehen in unterschiedlichem Masse in die Muttermilch über: Neviparin ist in der Muttermilch in geringerer Konzentration vorhanden als im mütterlichen Plasma (Resistenzrisiko). Zidovudin und Lamivudin hingegen werden in der Muttermilch auf die dreifache Menge konzentriert (Risiko für unerwünschte Nebenwirkungen). Die antiretroviralen Wirkstoffe sind in den Schwangerschaftskategorien B und C eingeteilt.
Aufgrund vieler offener Fragen im Zusammenhang mit dem Stillen empfiehlt die Fachkommission des BAG, dass HIV-infizierte Mütter in der Schweiz weiterhin konsequent auf das Stillen verzichten.
Quelle: _BAG - Bulletin, 5/2009 |