Alemtuzumab (MabCampath®) ist ein gentechnologisch hergestellter humanisierter monoklonaler Antikörper. Momentan ist das Medikament zur Behandlung von Patienten mit chronischer lymphatischer B-Zell Leukämie (B-CLL) zugelassen. Im Off-Label-Use kommt das Präparat auch bei rezidivierender Multipler Sklerose (MS) zum Einsatz. Neuere Studienresultate zeigen nicht nur eine Reduktion der Rückfälle sondern auch eine Verbesserung bestehender Defizite und ein Rückgang der im MRI sichtbaren Läsionen.
Alemtuzumab führt zu einer Lyse von Lymphozyten, indem es sich an CD52 bindet. Dieses Antigen findet sich auf B- und T-Lymphozyten, Monozyten, Makrophagen und bestimmten anderen Zellen des Knochenmarks. Auf diese Weise kann der entzündliche Prozess bei MS unterbrochen werden. Die reduzierte Anzahl T-Zellen persistiert über mehrere Jahre. Die B-Zellen regenerieren sich innerhalb von 6-12 Monaten.
In einer aktuellen Studie erhielten 334 erwachsene MS-Patienten (mit Rückfällen oder vorzeitigen Remissionen) während 36 Monaten entweder Interferon beta-1a (44mcg, 3x/Woche) oder Alemtuzumab (12 oder 24mcg i.v. während 3 oder 5 aufeinanderfolgenden Tagen, 1x/Jahr). Nach 36 Monaten hatten 52% der Patienten unter Interferon keinen Rückfall. In der Alemtuzumab-Gruppe beträgt dieser Anteil 80%. Unter Alemtuzumab verringerte sich der Invaliditätsgrad, während in der Interferon-Gruppe eine Verschlechterung eintrat.
Studien zu Interaktionen liegen noch keine vor. Als schwere unerwünschte Nebenwirkungen traten unter anderem Funktionsstörungen der Schilddrüse, idiopathische thrombozytopenische Purpura und Krebserkrankungen auf. Unter Natalizumab (Tysabri ®), ein anderer monoklonaler, humanisierter Antikörper zur Behandlung remittierender MS, kam es zu Fällen von progressiver, multifokaler Leukenzephalopathie (PML). Rituximab (MabThera ®) wurde ebenfalls bereits im Off-Label-Use zur Behandlung von MS eingesetzt.
Quelle: _The Medical Letter, Mai 2009 |