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Bisphosphonate: Risiko für Spontanfrakturen bei Langzeitanwendung
Rubrik: Drugs
Seit zwei Jahren werden bisher unbekannte Formen von Femurfrakturen bei Patienten unter Bisphosphonaten beobachtet. Dabei handelt es sich um Spontanfrakturen, welche im Stehen ohne äusseren Einfluss oder nach kleineren Verletzungen auftreten. Mehrere Patienten berichteten über Prodromalschmerzen an der betroffenen Stelle in den Wochen oder Monaten vor der ersten Fraktur.

Im Pharmakovigilanz-Zentrum in Genf gingen ebenfalls Meldungen zu 13 Patienten unter Bisphosphonaten ein. Die Betroffenen erlitten zwischen 2004 und März 2009 während einer durchschnittlichen Behandlungsdauer von 5.5 Jahren ein oder zwei spontane Femurfrakturen.

Das Risiko für spontane Femurfrakturen beruht vermutlich auf einem verminderten Knochenumbau durch die Einnahme von Bisphosphonaten. Durch die tägliche Belastung entstehen im Knochen kleinste Verletzungen. Diese werden von den Osteozyten registriert, was zu einem Umbau des Knochengewebes und somit zur Reparatur der Läsionen führt.
Wird die Knochenresorption gehemmt, ist dieser Reparaturmechanismus beeinträchtigt. Dies kann zu einer Ausbreitung der Läsionen und früher oder später zu einer Spontanfraktur führen.

Die sehr lange Halbwertszeit der Bisphosphonate im Knochen (> 10 Jahre bei Alendronat) verschärft die Problematik der unerwünschten Nebenwirkungen.

Aus Fallberichten geht hervor, dass eine gleichzeitige Behandlung mit Estrogenen, Kortikosteroiden oder Protonenpumpenhemmern (PPI) ein prädisponierender Faktor zu sein scheint. Mögliche negative Auswirkungen einer Langzeitbehandlung mit PPI auf die Knochen werden vermehrt auch in der Literatur diskutiert: Man vermutet, dass die Reduktion des Säuregehalts im Magen-Darm Bereich die Löslichkeit von Calcium aus der Nahrung und somit auch dessen Resorption vermindert.

Grössere epidemiologische Studien sollen Klarheit verschaffen. Fachleute des Gesundheitswesens sind deshalb dazu aufgerufen, alle unerwünschten Nebenwirkungen zu melden, auch wenn es sich lediglich um einen Verdacht handelt. Die Zunahme von unerwünschten Arzneimittelwirkungen wie Kieferosteonekrosen und spontane Femurfrakturen sollte zur Vorsicht mahnen und die Behandlung mit Bisphosphonaten auf 5 Jahre beschränkt werden.

Die Fachinformation zu Fosamax® wird in Kürze im Abschnitt „unerwünschte Wirkungen“ durch einen Hinweis zum Risiko für Spontanfrakturen bei Patienten unter Bisphosphonaten ergänzt.

Literatur:
_Pharma-Flash 1/2009/p1 : Bisphosphonates au long cours : sécurité remise en question ?

REF: 26.05.2009 09:19:05 / UABSE,UAMST / 3588
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