| Verspüren Sie ein Kribbeln in einer Hand oder gar beidseitig? Treten diese Beschwerden vor allem nachts auf, könnte dies Anzeichen für ein Karpaltunnelsyndrom sein.
Der Nervus medianus innerviert den Grossteil der Finger und wird im Karpaltunnel komprimiert. Dieser umgibt und schützt im Normalfall den Medianus auf Höhe des Handgelenks. Durch die Kompression kommt es zu Schmerzen und Empfindungsstörungen in den Fingern. Ursache der Karpaltunnelverengung kann eine Volumenzunahme der Synovialis aufgrund einer unspezifischen Entzündung der Fingerbeugersehnen sein. Damit verbunden sind auch Mikroverletzungen des Handgelenks durch alltägliche Bewegungen.
Die Symptome des Karpaltunnelsyndroms sind charakteristisch: Betroffene wachen nachts auf und verspüren ein unangenehmes Kribbeln, Taubheit oder ein Brennen in der Hand. Werden Hand und Finger mobilisiert, lassen die Symptome nach. Die Sensibilitätsstörungen sind auf der Handinnenseite in den ersten drei und bis zur Hälfte des vierten Fingers lokalisiert. Handrückenseitig treten keine Beschwerden auf. Die Schmerzen können in Vorderarm, Schulter oder Hals ausstrahlen.
Das Karpaltunnelsyndrom tritt gewöhnlich bei Frauen im Alter zwischen 30 und 50 Jahren ohne klar erkennbare Ursache auf. Das Syndrom kann während einer Schwangerschaft, aber auch nach wiederholten Verletzungen oder durch starke Vibrationen auftreten (z.B. bei Bauarbeitern).
Bei der Behandlung stehen konservative Massnahmen im Vordergrund. Um die Entzündung zu minimieren, wird das Handgelenk mit einer Schiene während der Nacht ruhig gestellt. Bleiben die Beschwerden bestehen, können häufig mit einer Kortikoidinfiltration in den Karpaltunnel sehr gute Resultate erzielt werden. Kommt es zu einem Rückfall und sind jährlich mehrere Injektionen nötig, muss ein chirurgischer Eingriff in Betracht gezogen werden. In jedem Fall wird eine ärztliche Abklärung empfohlen. Hält die Kompression über längere Zeit an, kann es zu irreversiblen Nervenschädigungen kommen.
Quelle: _La médication officinale, R. Caquet, Masson 2009, p118 _Vademecum clinique, Fatorrusso - Ritter, Masson 2006, p1029 _pharma-kritik, 9/2007, p33 |